«Hip-Hop can never be a way of life» (A Tribe Called Quest)
Aus dem Jahre 2001

New York, Mitte der 70er Jahre. Die Disco- und Clubszene beherrscht die Stadt. Ganze Scharen von tanzenden Menschen mit glitzernden Anzügen bevölkern die New Yorker Diskotheken, um auf stampfende Disco-Beats sich gegenseitig mit kunstvollen Tanzschritten zu beeindrucken. Zur gleichen Zeit bahnt sich auf einem Park-Gelände irgendwo in Harlem eine Hip-Hop-Party an. Einige D.J.#s bauten riesige Boxen (boom boxes) mitten in der Wiese auf. Binnen kürzester Zeit befindet sich die ganze Nachbarschaft auf der Wiese. «Es wurde viel getrunken und geraucht, und dann all die Girls, Mann!» Der erste D.J. legt los. Er hat eine Plattenkiste voll mit dem Funk- und Discozeug, und er versucht nun aus den ganzen Platten den perfekten Mix zu konstruieren. Er nimmt für den Anfang den Beat von der einen Platte, dann von der zweiten und mixt zur der eine dritte dazu. Dann nimmt er zwei gleiche Platten und baut daraus eine Endlos-Schleife, indem er die Paar Takte von den beiden Platten abwechselnd abspielen lässt. Dann fängt er an, das tanzende Publikum anzufeuern: «Say yeaaaa!» Und das Publikum antwortet: «Yeaaaaaa!». Plötzlich macht der D.J. einen Break: er stoppt die laufende Platte und haut ein Bruchstück von einem anderen Beat rein. Noch bevor der reguläre Beat weitergeht, versuchen jetzt einige durch akrobatische Einlagen der Menge zur zeigen, was sie drauf haben. Die Einlagen sind gelungen: die Menge jubelt laut zu. Der Beat geht weiter. Die Musik erdröhnt bis in die benachbarten Viertel. Den Bass kann man bis in den Bauch spüren, alles rund herum beginnt zu vibrieren... (Hörprobe)

Das war also der unspektakuläre Beginn einer Musikrichtung, die 20 Jahre später die ganze Welt eroberte. Nun - das Internet, die 3. Industrierevolution, begann ja nicht weniger unspektakulär. Fangen wir einfach mit dem Mann an, der Hip-Hop kreierte: D.J. Cool Hirc.

Der gebürtige Jamaikaner war der erste, der mit diversen Funk- und Discoplatten rumexperimentierte und dabei mit aufwendigen Aufleg-Techniken arbeitete. Aus Jamaika brachte er verschiedene D.J.-Techniken mit nach New York, darunter auch die des «Toastings». Unter «Toasting» versteht man den Sprech-Gesang der Jamaikanischen D.J.s, seit langer Zeit die Tradition Jamaikas. (Hörprobe)

Cool Hirc veranstaltete in dem Viertel, wo er lebte verschiedene Tanz- und D.J.-Wettbewerbe. Die Kids der Nachbarschaft hatten so ihre Beschäftigung und Cool Hirc bekam bald eine Menge Anhänger. Es ging bei solchen Veranstaltungen stets um Rivalitäten, ob zwischen den rivalisierenden D.J.'s, oder Break-Dancer, oder einfach nur zwischen verfeindeten Gangs. Jeder versuchte, die bessere Show abzuliefern um den verdienten Applaus zu bekommen. Aber es war auch einfach eine Party, wo gute Laune angesagt war.

Grandmaster Flash war ein häufiger Besucher dieser Wettbewerbe. Er selber sah mit riesigen Augen, wie D.J. Cool Hirc den Saal zum toben brachte. Fasziniert von dem Auflege-Stil, besorgte er sich ebenfalls eine D.J.-Anlage und experimentierte außer mit Cool Hirc's Auflege-Techniken noch mit dem «Scratching», dem rhythmischen Hin- und Herbewegen der Platte. (Hörprobe) Als er dann vor dem Publikum aufzulegen begann, kriegte auch er bald eine große Anzahl der Anhänger.

Bald zogen auch die sog. MC-Wettbewerbe (MC steht für Master of Ceremony) die Aufmerksamkeit auf sich. Die MC's übernahmen die Funktion der D.J.'s, das Publikum durch kurze Texteinlagen anzufeuern und erweiterten diese Technik auf komplette Reime (Rhymes). Sie begannen über den Beat rhythmisch drüber-zu-rappen, und somit war der Stil «Hip-Hop» geboren. (Hörprobe)

Sylvia Robinson nahm Grandmaster Flash in ihr Shugar-Hill-Label auf und produzierte mit ihm den Song «Rapper's Delight», eine Cover-Version des Disco-Hits «Good Times» der Gruppe Chic: «I said a hip hop / the hippie the hippie / to the hip hop, a you don't stop the rock it...» (Hörprobe)

Mit diesem Song erblickte Hip-Hop zum ersten mal das Licht der Öffentlichkeit. Hip-Hop oder RAP, die Bezeichnung für ein und das selbe, war die erste Musikrichtung, die sich ausschließlich von anderen Musikstilen «ernährte». Von Anfang an waren zwei Plattenspieler die einzigsten Instrumente, die zur «Komposition» der Hip-Hop-Musik eingesetzt wurden. Erst Ende der 70er Jahre entdeckte Jam Master J., der D.J. der RAP-Band RUN-DMC den Drumcomputer (Beatbox), und es wurde sein neues Steckenpferd. (Hörprobe) Auch hierbei betrat man musikalisches Neuland: bisher wurden Schlagzeug-Sounds in der POP-Musikwelt ausschließlich vom Schlagzeuger eingespielt. Tatsächlich hatten die Leute bisweilen überhaupt keine Ahnung, dass es so was wie einen Drumcomputer gibt und man damit sogar Musik machen kann. Als Jam Master J. mit diesem Instrument auf der Bühne stand und diverse Schlagzeug-Rhythmen zauberte, schaute das Publikum völlig verblüfft aus der Wäsche: «Der Kerl hat da so eine Box die wie ein Schlagzeug klingt, aber da ist nirgendwo ein Schlagzeug!» Der Drumcomputer war es, der durch die fortgeschrittene Sampling-Technologie der späteren House- und Techno-Musik den Weg ebnete.

Charakteristisch an Hip-Hop war von Anfang an die enorme Basslastigkeit. Es war die Fortsetzung einer langen Tradition Jamaikas: die jamaikanischen D.J.'s waren diejenigen, die bereits in den 50er Jahren mit ihren riesigen Anlagen das ganze Areal zum Beben brachten. Übersteuerte Bassgitarren-Riffs in den Ska- und Reggae-Tracks sorgten für Bauchschmerzen und das nötige «Feeling». Cool D.J. Hirc setzte diese Tradition in New York fort. Der Drumcomputer schließlich war ein wichtiger Beitrag zur weiteren Fortsetzung der Tradition: die elektronischen analogen Drum-Sounds hatten einen so enormen Bass-Anteil, dass nicht selten bei so einer Party die Lautsprecher-Anlagen durchschmorten. Das war natürlich auch ein gewisser Reiz für die Hip-Hop-Produzenten: die Lautsprecher zum Durchschmoren zu bringen. Kurtis Blow: «The 808 (ein Drumcomputer) is great because you can detune it and get this low frequency hum. It's a car speaker destroyer. That's what we try to do as rap producers - break car speaker and house speakers and boom boxes. And 808 does it. It's African Music.»

Im Laufe der späten 70er Jahre kamen weitere D.J.'s und Rapper dazu, wie z.B. Afrika Bambaataa, D.J. Hollywood oder The Shugar Hill Gang. Hip-Hop-Musik verbreitete sich sehr schnell auf weite Teile des Landes, vorzugsweise in die schwarzen Ghettos der amerikanischen Grosstädte. Sie war eine willkommene Abwechslung für die graue Realität des Alltags in den Ghettos. Obdachlose, Junkies, Dealer, Drogen-Gangster, Räuber bevölkerten die Strassen. Rivalisierende Drogen-Gangs begannen mit wilden Schiessereien, jede Minute passierte ein Mord. Der tägliche Überlebenskampf war der 3. Welt gleichzusetzen und dass keine 10 Meilen von der Börse New Yorks entfernt. Statistisch lag die maximale Lebenserwartung der Einwohner bei 65 Jahren, fast 96% der Mord-Rate hängte direkt mit Drogen-Delikten zusammen. Der schrittweise Abbau der ohnehin geringen sozialen Leistungen durch die Regierung des Präsidenten Reagans verschlimmerte die Situation noch zusätzlich. Hier ein paar Ausschnitte aus den damaligen Strassen-Interviews:

»Der Junkie dort auf dem Bürgersteig kann Dir sagen, dass Du in Bangladesch mehr Überlebens-Chancen hast als hier. Wir sind ein Teil der 3. Welt und sollten als Katastrophen-Gebiet gelten»

»90% der Schwarzen hier in Harlem haben zum staatlichen Medicate-Programm keinen Zugang. Es handelt sich um Langzeit-Arbeitslose, deren Familien schon seit Generationen von den Wohlfahrts-Verbänden ernährt werden.»

»Keiner unternimmt etwas. Wie diskutieren hier über Süd-Afrika, und dabei haben wir Süd-Afrika hier vor der Tür!»

»Es wird nicht besser, sondern immer schlimmer. Die einzige Lösung ist eine Revolution!»

Der Wendepunkt in der RAP-Szene erfolgte 1982 mit der Veröffentlichung des Songs «The Message» durch Grandmaster Flash: «Dont push me, cause I'm close to the edge / I'm trying not to lose my head / It's like a jungle sometimes, it makes me wonder / how I keep from going under». (Hörprobe) Dieser Song wurde weltweit ein TOP-10-Hit. Zum ersten Mal in der Geschichte des RAP's wurde in den Texten auf die Probleme vieler schwarzer Jugendlicher in den Ghettos Amerikas aufmerksam gemacht: Drogen, Waffen, Gangs, Verbrechen und Gefängnis. Man kann sagen, dieser Song wurde für viele andere Rapper zum Anlass, in ihren Texten ebenfalls auf diese ausweglose Situation in den schwarzen Vierteln, wie etwa South Central in Los Angeles, aufmerksam zu machen. Das Konzept «The Message» wurde übernommen.

Nach einiger Zeit kristallisierten sich militantere RAP-Gruppen, die die Frage nach dieser aussichtslosen Situation weiterverfolgten und die Entstehung des ganzen Desasters mit einer grundlegenden Verfolgung und Ablehnung des Schwarzen Mannes durch die weiße Bevölkerung der USA zu erklären versuchten. Der Schwarze Mann wurde als Sklave in die USA verfrachtet, und das Bild des Schwarzen Mannes als Sklave sitzt weiterhin tief in den Köpfen der weißen Bevölkerung. Die Regierung der Vereinigten Staaten benachteilt nach wie vor den schwarzen Bürger, indem sie z.B. die schwarze Geschichte komplett leugnet: der Schwarze Mann existiert in der Geschichte gar nicht, die großen Erfinder und Entdecker waren allesamt weiß. Die offizielle Definition der Regierung lautet so: «Der 'Schwarze Mann' ist ein Bürger der Vereinigten Staaten mit gleichen Rechten und Verpflichtungen». Also auch der gleichen Geschichte.

Doch die Geschichte ist nicht die gleiche. Vielleicht ist es ja die Scham vor den früheren Verbrechen des Weißen Mannes (Sklaverei), die die Regierung dazu zwingt, die Geschichte der Schwarzen zu leugnen und zu verdrängen. Denn eine Auseinandersetzung mit diesem Thema würde Unmutgefühle beim Weißen Mann erzeugen, der sich ja stets als Herr der Welt darzustellen bemüht (Stichwort «Weltpolizei»). Plötzlich würde die saubere, weiße Weste riesige Flecken bekommen wenn man offiziell verkündet, dass Amerika ja von den Indianern gestohlen wurde. «Amerika was stole from the Indians / Show and prove what was that?» - Ice T. greift mit diesem Text genau dieses Problem auf und trifft die weiße Bevölkerung an ihre empfindlichste Stelle. Denn der Indianer, der eigentliche «Eigentümer» Amerikas, hat keine weiße Haut. Ice T. deklariert sich Gegebenehrmassen zum Rassisten und schlägt den Rassismus der Weißen mit den gleichen Waffen nieder. (Hörprobe)

Der Rassismus ist meiner Meinung nach das größte Problem in den USA. Ausgerechnet in dem Land, welches den National-Sozialismus und Rassismus in Nazi-Deutschland gehasst und bekämpft hat. Ich denke, es handelte sich um nichts anderes als um eine Projektion der eigenen unerwünschten Eigenschaften auf den Feind. «Den Balken im eigenen Auge sehe ich nicht, dafür aber den Splitter im Auge des anderen.»

Ein anderer Aspekt spielt sich vermutlich im Eroberungsgeist des Weißen Mannes wieder. Nur durch die Eroberung Amerikas und nahezu vollständigen Ausrottung der Indianischen Bevölkerung konnte sich der Weiße Mann auf diesem Kontinent einsiedeln. «Amerika gehört uns, wir sind die stärkeren, denn wir konnten euch besiegen. Ihr habt hier nichts mehr verloren, ihr behindert uns, denn ihr erinnert uns immer daran, was für Verbrechen wir begangen haben. Eigentlich gehört Amerika ja euch, aber wir haben euch besiegt und so gehört Amerika jetzt uns. Es gilt doch das Recht des Stärkeren. Oder etwa nicht?!?». Aus diesem psychischen Konflikt zwischen der menschlichen Moral und dem Existenz-Bedürfnis entspringt wahrscheinlich der Rassismus und der tiefe Hass gegenüber diesen Bevölkerungsschichten.

Doch die Frage bleibt offen: angenommen, die Rollen wären vertauscht: der Schwarze Mann würde an die Stelle des Weißen antreten, er würde die Macht besitzen. Würde der Schwarze Mann nicht die gleichen Vernichtungszüge machen? Die gleiche Geschichte, nur mit vertauschten Rollen. Es spielt doch überhaupt keine Rolle, welche Hautfarbe man besitzt! Hautfarbe entscheidet nicht über den Charakter. Haben nicht alle Menschen im Grunde diesen Drang zur Existenzsicherung, die am besten durch Vertreibung und Vernichtung des anderen gelöst wird? Vernichtungszüge und Sklaverei konnte man ja bisher in allen möglichen Kulturen beobachten. Natürlich, die Kultur formt den Charakter, und die schwarze Kultur unterscheidet sich ja von der weißen. Aber wodurch entsteht die Kultur? Ist es doch nichts anderes als eine Sammlung von Gesetzmäßigkeiten und Regeln des Miteinander-Lebens? Und da kommt der entscheidende Punkt: haben nicht alle Menschen auf dieser Welt die gleichen Bedürfnisse? Jede Kultur stellt andere Möglichkeiten zur Befriedigung der Bedürfnisse zur Verfügung, aber die Bedürfnisse sind doch immer die selben. Wir werden diesen Punkt später noch mal im Zusammenhang mit dem Problem der Kommerzialisierung des Hip-Hop aufgreifen

Die schwarze Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika, verschleppt, versklavt, gehasst, abgelehnt, entwickelte sich zur einer Sub-Kultur. Nur durch Zusammenhalt konnte man den staatlichen Repressalien und Benachteiligungen über Jahrhunderte standhalten; nur durch das Festhalten an Traditionen und Geschichte konnte man der vollständigen Auslöschung der schwarzen Geschichte, also der Ent-Wurzelung durch die Regierung, Widerstand leisten. Die Afroamerikanische Bevölkerung ist eine Sub-Kultur, die verlorene Züge und Traditionen der eigentlichen afrikanischen Heimat beinhaltet. Die Rituale und Gesänge in dieser Sub-Kultur bildeten die Grundlage für die späteren Musikrichtungen Blues, Jazz, Rhytm'n'Blues, Funk und somit auch für Hip-Hop.

Analog zu den diversen revolutionären Bewegungen in den 60er und 70er Jahren entwickelte sich die Black-Power-Bewegung. «Es gilt jetzt nicht mehr wegsehen, es gilt jetzt hinsehen, erkennen und handeln!», war die Botschaft, die viele schwarze Intellektuelle, Dichter und Musiker übermittelten, wie z.B. The Last Poets. (Hörprobe) Diese in Gang gesetzte Bewegung wurde in den 80ern weitergeführt durch die verschiedenen militanten RAP-Gruppen, wie z.B. Public Enemy (Hörprobe). Alleine schon der Name «Public Enemy» (Volks-Feind oder Saats-Feind) besagt über die grundlegende Botschaft dieser Gruppe: «Wenn Du das teuflische System des Staates durchschaust und Dich dagegen Stellst, wirst Du früher oder Später zum Staatsfeind. Du musst Dich nicht einmal dagegen stellen, es reicht schon, wenn Du es durchschaut hast». Dadurch, dass die Band sich den Namen «Public Enemy» gab, verwies sie auf die repressive Logik des amerikanischen Systems und konnte unter diesem Deckmantel nun offen gegen das System antreten.

Ein Augenzeuge aus der damaligen Zeit berichtet: «Zwei Dinge waren gemeinhin als Tabu: Religion und Politik. Und da kommen Public Enemy daher, wie eine schwarze Wolke, und überfluten die ganze Küste mit politischen Themen und einer religiösen Sekte im Hintergrund. Als die Band ihr erstes Album «Yo! Bum Rush The Show» (Hörprobe) veröffentlichte, hatte das eine fast mystische Bedeutung. Wenn du einen Blick auf das Album-Cover wirfst, dann gibt's dir einen Ruck. Da ist etwas, was keinen Aufschub duldet, etwas, was unbedingt raus muss, wie eine Revolution von innen, die dich mit verschiedenen Fragen und Themen erschüttert. Du trommelst noch und zack! - schon kommt der nächste. Ich kann mich definitiv nicht mit allen ihren Themen und Thesen anfreunden, aber ihre Musik - die muss man einfach lieben!»

Die Gruppe Public Enemy wurde binnen kürzester Zeit international berühmt. Sie erschuf die Figur des «RAP-Gangsters»: einen Rapper mit Mikrofon, ungeheuren sexuellen Appetit und einer Uz-Maschinenpistole. Public Enemy haben eine ganze Welle heraufbeschworen. Dutzende von RAP-Gruppen wie Ice T., Ice Cube, NWA verfolgten das Konzept über die 80er bis in die 90er Jahre weiter. Doch an dieser Stelle erfolgte ein weiterer Wendepunkt. Die ursprüngliche Figur des RAP-Gangsters von Public Enemy beinhaltet einen Rebellen, der das System durchschaut hat und sich die Demütigungen nicht mehr länger gefallen lässt. Er ist bewaffnet und bereit, sich zu wehren. Doch im laufe der Zeit wurde der «erleuchtete Rebelle» von dieser ursprünglichen Figur abgespalten. Was übrig blieb, war der aggressive Gangster, der wild auf alles ballerte, was sich bewegte. Anstelle von «Erkenntnis» und «Widerstand» trat «blinder Angriff» in den Vordergrund. Songs wie «Fuck the Police» (Hörprobe) von NWA übermittelten mehr als deutlich diese Botschaft. Die Ablehnung der Schwarzen durch die Weißen wurde zum Vorwand benutzt, um den eigenen angestauten Aggressionen endlich mal freien Lauf zu lassen.

Die Faszination an der Kriminalität wurde zur Trademark der RAP. Es kam zur Eskalation der Gewalt, wie z.B. 1992 in Los Angeles (Hörprobe). Der «Blinde Angriff» war hier deutlich zu spüren: die Schwarzen zündeten ihre eigenen Häuser an!

Der Auslöser der Gewalt war der Vorfall bei einer polizeilichen Straßenkontrolle. Der schwarze Lastwagenfahrer R. King wurde aus seinem LKW rausgezerrt. Scheinbar völlig grundlos prügelten die Polizisten den Lastwagenfahrer halbtot. Die polizeiliche Prügelorgie war auf Video festgehalten worden. Der größte Teil jener, die das Band zu Gesicht bekamen, zweifelte keine Sekunde daran, dass das Prügelopfer eine Verurteilung seiner Peiniger erwarten dürfe. Doch es kam zu keiner Verurteilung...

Es ist ja durchaus bekannt, dass ein Polizist im Grunde nichts anderes als ein «Verhinderter Mörder» ist. Endlich hat ein Mensch den Beruf gefunden, wo er seine eigenen Aggressionen an den bösen Verbrechern rauslassen kann, die es ja nicht anders verdient haben. Der Beruf «Polizist» wird hier als Sublimierung (Umleitung, Filter) benutzt. Es ist absolut verständlich, dass derartige Vorfälle wie mit dem Lastwagenfahrer Anlass zur Gewalt geben. Doch begeben sich dann die Gewalttätigen nicht auf die gleiche Stufe wie die Polizisten? Mal ganz ehrlich: ging es den meisten Unruhestiftern wirklich nur um den schwarzen Lastwagenfahrer? Oder wurde der schwarze Lastwagenfahrer nur als Vorwand benutzt, um die eigenen Aggressionen rauszulassen? Dadurch dass die Schwarzen die Polizisten hassen und sie angreifen, liefern sie den Polizisten stets neue Gründe die Schwarzen zu hassen und anzugreifen: die bösen Verbrecher! Es entsteht ein Teufelskreis der Gewalt.

Die Schwarzen konnten sich durch ihren «stillen Widerstand» in eine moralisch überlegene Position begeben, wie einst Mahatma Gandhi mit dieser Methode Indien befreit hat. Die Welt zeigte sich durchaus betroffen über die Missstände in den USA und den verzweifelten Versuchen der Regierung, diese Missstände unter die Oberfläche wegzufegen. Doch mit der Gewalt haben sich die Schwarzen selber den Teppich unter den Füssen weggezogen. Wenn die Schwarzen zur Gewalt greifen, warum sollen sie dann besser sein als ihre weißen Peiniger?

Die 90er Jahre brachten einen erneuerten Wendepunkt. Rapper wie KRS-1 machten auf konstruktive Weise erneuert auf die Probleme aufmerksam. In «You Must Learn» weist KRS-1 darauf hin, dass Veränderung nur über eine Revolution im Kopf möglich ist und schwarze Geschichte im dominanten Diskurs systematisch ausgeklammert wird: «What do you mean when you say I'm rebellious / Cause I don't accept everything that you're telling us / (...) Cause you don't know that you ain't just a janitor / No one told you about Benjamin Banneker / (...) Lewis Latterman improved on Edison / Charles Drew did a lot for medicine / Garret Morgan made the traffic lights / Harriet Tubman freed the slaves at night / Madame CJ Walker made a straightin'comb / But you won't know this if you weren't shown / The point I'm getting at it might be harsh / We're just walking around brainwashed /».

An anderer Stelle versucht er das oben dargestellte Problem zwischen den Schwarzen und der Polizei ebenfalls konstruktiv anzugehen. In dem Stück «Who Protects Us from You» wird der Mythos des «Freund und Helfers» zynisch auf den Kopf gestellt: «Your authority's never questioned, no one questions you/ If I hit you, I'll be killed, If you hit me, I can sue/ (...) Looking through my history book, I've watched you as you grew/ Killing blacks and calling it the law, and worshipping Jesus too/ (...) You were put here to protect us, but who protects us from you?/ It seems that when you walk the ghetto/ You walk with your own point of view/».

Die 90er Jahre zeichneten sich durch die zunehmende Kommerzialisierung des Hip-Hop aus. Mit dem Song «Cant't touch this» (Hörprobe) landete MC Hammer 1990 weltweit einen Volltreffer in die Hitlisten. Spätestens seit dem Zeitpunkt wurde wirklich den meisten Leuten klar: Hip-Hop is the next big thing, das nächste große Ding in der Mainstream-POP-Kultur.

Hip-Hop überschwemmte die ganze Welt. Hunderte von neuen Gruppen machten ihre Hip-Hop-Songs in der eigenen Muttersprache. Die anfängliche Party- und Widerstandsbewegung verstummte. Es ging fast ausschließlich darum, Hip-Hop weltweit nach vorn zu bringen und mit dieser Musik Profit zu machen. Hip-Hop-Radiosendungen, ja sogar Hip-Hop-Radiosender wurden aus dem Boden gestampft. MTV verschaffte Hip-Hop mit ihrer «YO! The MTV Rap Show» den Einzug ins Fernsehen, VIVA und andere Sender zogen nach. Nach 10 Jahren war es schließlich soweit. Hip-Hop ist DAS GROSSE DING. Es revolutionierte die komplette POP-Musik. Namhafte POP-Stars fügen in ihre Songs Elemente aus Hip-Hop hinzu (Drumloops, Breakbeats, Samples, Scratches, Rhymes) oder machen ihre Songs komplett als Hip-Hop-Tracks mit Gesang oder Rhymes. Aus jedem Radio, aus jeder Anlage laufen Hip-Hop-Beats, Hip-Hop ist einfach nicht mehr wegzudenken. Hip-Hop bildete die Grundlage für viele weitere Musikrichtungen, wie z.B. Trip-Hop, Drum'n'Bass, Cross-Over.

Viele Rapper, die von Anfang an dabei waren, sind zu weltweit anerkannten Berühmtheiten der Szene aufgestiegen. Die meisten sind durch diese Musik Millionäre geworden, wie z.B. Puff Daddy. Die letzte Mode bei Hip-Hop steht paradoxerweise ganz im Sinnbild des weißen Mannes: Reich und Berühmt zu sein. Nachdem Hip-Hop zum Mainstream-Sound wurde, haben sich all die ideologischen Werte nahezu vollständig von der Musik abgespalten. Wem interessiert schon die Erkenntnis, der Kampf? Das ist doch alles langweiliger Bullshit von irgendwelchen irren Revoluzzern. Hauptsache, die Kohle stimmt, alles andere ist doch nicht mein Problem! Hip-Hop, anfänglich dazu bestimmt, der weißen Profit-Kultur eine Parole zu bieten, ist selbst zum Opfer des Profits geworden und hat die weiße Profit-Kultur sogar übertroffen.

Gib' dem Volk Brot und Spiele, und sie vergessen all ihre Sorgen. Es ist doch mir egal, ob mein Freund oder mein Nachbar letzte Woche von weißen Polizisten zusammengeschlagen wurde. Ich kriege ja von den Weißen viel Geld, also wollen wir doch nicht meckern! Es ist ja im Grunde sowieso sein Problem und nicht mein!

Hier greifen wir wieder das bereits erwähnte Thema mit den Kulturunterschieden auf. Es spielt ja im Grunde keine Rolle, ob jemand schwarz oder weiß ist. Geld und Macht ist ja eine ganz feine Sache, egal ob für schwarz oder weiß. Es geht letztendlich darauf hinaus, dass der Ursprung all der Missverständnisse und des Hasses zwischen den Schwarzen und den Weißen darin liegt, dass die Weißen etwas besitzen, was die Schwarzen auch gerne hätten, es aber nicht kriegen - nämlich Geld, Reichtum und Macht. Wenn wir den Spieß umdrehen und die Reichtümer den Weißen wegnehmen und sie an die Schwarzen verteilen würden - wäre dann nicht das gleiche Spielchen, nur mit vertauschten Rollen? Die schwarze Feministin Bell Hooks ist da anderer Ansicht: «Vorgefasste Meinungen, die einige Schwarze (z.B.) gegen Weiße vorbringen, sind (...) nicht mit einem Herrschaftssystem gekoppelt, das uns irgendeine Macht gäbe, die Kontrolle über das Leben und Wohlergehen Weißer an uns zu reißen». Doch genau diese fehlende Kopplung ist für mich der springende Punkt! Was wäre, wenn diese fehlende Kopplung zum Herrschaftssystem wegfallen würde?

Wenn die Regierung es schaffen würde, soziale Gerechtigkeit zu erreichen, wäre dies mit größter Wahrscheinlichkeit die Lösung für all der Konflikte. Doch eine Regierung, die den Weißen Mann bevorzugt, ist natürlich auf keinen Fall daran interessiert, den Schwarzen die gleichen Privilege einzugestehen. Und dieses Problem ist weltweit aktuell, wie z.B. in Südafrika. Es ist ein Grund-Problem des Menschen.

Das Problem der Kommerzialisierung der Hip-Hop-Musik ist natürlich auch unter vielen Rappern Anlass für unzählige Diskussionen und Kontroversen. Viele Rapper beschimpfen ihre reicheren Kollegen als «bitches», die den Hip-Hop lediglich als Lift zum Reichtum benutzen, um dann später mit fetten Geldkoffern sich vom Hip-Hop wieder zu distanzieren. Ich zitiere Ice T: «Wie ist denn das Gefühl, wenn man eines Tages aufwacht, in den Spiegel blickt und dort eine Hure erblickt?»

Bedaulicheerweise hat sich nur zu oft gezeigt, dass genau diese Leute, die sich über ihre reichen Kollegen aufregten, selber zu «bitches» wurden, nachdem sie genügend Kohle hatten. Erinnern wir uns: Geld und Macht ist eine ganz feine Sache, egal ob für schwarz oder weiß.

Hip-Hop kann niemals ein Lebensweg sein. Jemand, der Hip-Hop zum Lebensweg gewählt hat, verkauft seine Seele an eine Musikrichtung, die im Prinzip keine festen Leitlinien kennt. Es ist gefährlich, sich z.B. die Ideologien des Kampfes anzueignen, ohne wirklich die Hintergründe zu kennen, ohne stets zwei Seiten vor Augen zu halten. Vor allem die ahnungslosen Jugendlichen sind von diesem Problem besonders betroffen. Der (verständliche) Ruf nach Gewalt in den schwarzen Ghettos kann sich sehr leicht z.B. auf die deutschen Jugendlichen übertragen, die sich zu Hause lediglich die Hip-Hop-Videos ansehen und eigentlich überhaupt keine Ahnung haben, was in so einem amerikanischen Ghetto abläuft. Hauptsache - Gewalt!

Ich zitiere Ice T: «Die Gewalt, die wir hier erleben, ist real! Wenn Sie hier leben würden würden Sie es für gar nicht so gewalttätig halten. Das hier ist ein Ort, wo es drunter und drüber geht. Wenn Sie sagen wir mal einen Rapper aus Beirut zuhören, dann würden seine Texte auch sehr viel mit Gewalt zu tun haben. Er wird wohl nicht über Wale singen - das ist nicht seine Welt. Wohl eher schon über Autobomben, die hochgehen.»

Wahrscheinlich ist es der Mangel an Erlebnissen und Abwechslung, die den Jugendlichen so besessen auf die Gewaltdarstellung in den RAP-Songs machen. Er würde am liebsten selber in die Rolle des Rappers schlüpfen, mit dem Caddilac durch das schwarze Viertel fahren und sinnlos Rumballern. Er stellt sich das alles viel zu leicht vor, von seinem weichen Sofa daheim bei Mami und Papi schaut diese Welt doch gar nicht so brutal aus, oder? Ich glaube, in so einem Fall ist es wohl die beste Therapie, den Jugendlichen paar Wochen in so ein Ghetto zu stecken, damit er endlich mal die Realität sieht und den Sinn solcher RAP-Songs begreift...

Hip-Hop benutzt den ohnehin bereits vorhandenen Drang der Jugendlichen zur Rebellion gegen die Erwachsenen. Das ist einer der Gründe, warum Hip-Hop DIE Jugendkultur ist: sie berührt den jungen Menschen in seiner Seele. Auf diese Weise kann Hip-Hop zu einem äußerst gefährlichen Instrument werden. Der junge Mensch übernimmt ausnahmslos jede Botschaft, ohne sie zu hinterfragen. Gruppen wie NWA haben uns nur zu oft gezeigt, welche Auswirkungen Hip-Hop auf die Jugendlichen haben kann. Total fasziniert von ihren Gangsta-Texten, von ihrer Lebenshaltung, von ihrer Liebe zur Gewalt, machten es «die kleinen» «den grossen» Vorbildern nach. Die Welle schwappte über und erreichte auch Deutschland; hierzulande treffe ich fast ausschließlich Jugendliche, die auf «Gangsta» machen, mit breiten Hosen rumlaufen, Gold-Kettchen tragen und den «krassesten» Gangsta-Text rüber bringen. Sie sind so fasziniert und halten so stur an dieser Gangsta-Vorstellung fest, dass sie gar merken, wie sie um ihre Vorstellung betrogen werden:

Dazu Ice T: «Was NWA tun ist nichts anderes als eine lange Version des Songs «Colors» (Hörprobe), in dem ich einen Gang-Boss darstelle. Am Ende mache ich dann allen klar, dass das nicht ich bin. Ich sage «das klingt ja alles ganz toll, aber nicht für mich, also lass die Finger davon!». NWA haben nie an diesem Punkt Schluss gemacht. Sie erzählen den Kids alles mögliche, was sie bevorzugt trinken, was sie von Frauen halten, dass sie aus Cownton kommen. Aber das ist nicht ihr Milieu! Sie streifen sich nur dieses Mäntelchen über und schreiben einen Song aus der Sicht der Jungs draußen auf der Strasse - und das kann zu Missverständnissen führen. NWA brauchen einigen Erklärungsaufwand um zu vermitteln, dass das nicht ihr Leben ist. Das Problem ist ja, dass die Kids genau das glauben! Sie lassen keine Sekunde davon ab. Und genau das wäre dringend notwendig, nach dem Motto: «Wenn ihr den Figuren auf der Platte nachläuft, werdet ihr sterben. Das sind nicht wir. Das sind nur Rollen!». Irgendwann kommt der Punkt, an dem man die Dinge auseinander halten muss und wo ein Ice Cube zugeben muss, dass er in Wirklichkeit zu Hause bei seiner Mutti lebt und nicht so, wie er das gerne darstellt.»

Bons Below: «Gruppen wie NWA haben einen starken Einfluss auf die schwarzen, aber auch auf die weißen Jugendlichen gezeigt. Eine verdammt gefährliche Sache, das Zeug in die Hirne und Herzen der jugendlichen RAP-Fans zu pumpen. Sie hören dann Sachen wie «Fuck the Cops, common!» Man kann doch nicht so etwas von sich geben und glauben, dass das ohne Wirkung auf einen selbst bleibt! «

Nun, die Hip-Hop-Musik ist eine Fortsetzung der langen Kette der Unterdrückung und der Auflehnung, die sich bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurückzieht. Das faszinierende daran ist, dass diese Musik Einzug gefunden hat bei denjenigen, gegen die sie ursprünglich gerichtet war: den Weißen Mann. Mit ihrer Musik haben es die Schwarzen geschafft, sich weltweit Anerkennung zu verschaffen. Es bleibt fraglich, ob nach dem beispiellosen Erfolg in der weißen Welt Hip-Hop nun zur dieser Welt sich hinbewegen wird, oder ob die weiße Welt umgekehrt sich der schwarzen zuneigen wird. Es bleibt auch fraglich, ob die Toleranz und Akzeptanz gegenüber Schwarzen aufgrund dieser Musik sich steigern wird oder nicht. Es gibt ja genügend Leute, die erklärter Massen Rassisten sind, aber dennoch diese Musik mögen. Nach dem Motto: «ich mag zwar keine Nigger, aber Hip-Hop finde ich echt cool.»

Das für mich wirklich faszinierende an Hip-Hop ist diese unverschleierte Offenheit und Ehrlichkeit, gebündelt mit der lässigen Lebenseinstellung und Kampfgeist. Es ist einfach die schwarze Kultur, die über diese Musik übermittelt wird und mich so sehr begeistert. Sie zeigt uns im Grunde genau das, was wir alle in uns haben, aber es nicht aussprechen vermögen, weil unsere verklemmte Gesellschaft derartige Äußerungen nicht akzeptiert. Es geht z.B. um die ständigen Rivalitäten, um die sich Hip-Hop ständig dreht. Das Prinzip des Gewinners und des Verlierers, die ständige Notwendigkeit, es den anderen so richtig zu zeigen - der Schwarze Mann hat die Hip-Hop-Musik, mit der er seine Bedürfnisse zur Rivalität auf friedliche Weise lösen kann (sublimieren). Der Weiße Mann hingegen sagt sich «Ich lebe nicht nach dem Verlierer- und Gewinner-Prinzip, ich stehe über diesen primitiven Dingen!» und leugnet (verdrängt) seine vorhandene Bedürfnisse, weil man so was ja nicht tut. Stattdessen versucht er seinen Rivalen mit psychischen Terror und Mobbing stumm zu kriegen. Der Weiße Mann ist Aufgrund seiner Kultur bis in alle Ewigkeiten dazu verdammt, seine wirklichen Wünsche und Bedürfnisse zu leugnen. Eine echt tolle Leistung unserer «hochentwickelten» Kultur!

Wir beschweren uns ständig über Mißtände bei der Regierung, trauen uns aber nicht diese laut auszurufen, geschweige denn auf eine Platte aufzunehmen. Der Schwarze tut das, ihm ist es völlig egal. Wieso sollen die Themen vieler Hip-Hop-Songs auch nicht uns betreffen? Sind wir denn nicht alle im Grunde genommen Sklaven des Systems? Die schwarze Kultur besitzt etwas wahres, wesentliches, was über Rassengrenzen und Generationsgrenzen starke Wirkung gezeigt hat. Von dieser Kultur können wir nur lernen.

Ich zitiere Chuck D: «Das Wissen um einen Selbst ist Selbstverteidigung gegenüber einen System, dass dich zu Boden zwingt. Jeder heute, egal ob Schwarz oder Weiss denkt, dass das System in Amerika einer Änderung bedarf. Die Schwarzen müssen lernen ihre eigenen Wurzel und ihre Geschichte zu verstehen, denn man enthält sie uns vor. Was heute aber passiert ist, dass weiße Jugendliche mehr darüber erfahren wollen, mehr über die Wahrheit wissen wollen und meinen, dass diese Wahrheit dich freimacht und die Menschen dadurch automatisch näher bringt. Und das erschreckt wahrscheinlich die Aristokratie, die elitäre Schicht der Bevölkerung, die sich damit konfrontiert sieht dass ihre eigenen Kinder sich mit dieser Kultur auseinander zu setzen beginnen, die man von ihnen fern hielt. Die Leute sind wissbegierig, nach dem man ihnen so lange nur Lügen erzählt hat. Wenn sie Gefangene einer Situation sind die sie nicht verstehen, können ihnen Lügen nicht weiterhelfen sondern sie nur noch mehr verletzten.»

Es sind diese einfachen Dinge, die diese Musik so faszinierend machen: zwei Plattenspieler, ein Drumcomputer und ein Mikrofon, that's it. Mit diesen einfachsten Dingen vermögen sie ganze Fußballstadien in Bewegung zu setzten. Diese Neigung zur Reduzierung auf die Grundteile (Basics) sollten wir dringend in uns aufnehmen. Brauchen wir wirklich vergoldete Wasserhähne, um uns glücklich zu fühlen? Die schwarze Kultur zeigt uns einen anderen Weg.

Und das wirklich beste an Hip-Hop sind für mich die phatten Beatz. (Hörprobe)

Zum Abschluss möchte ich gerne auf den Text «Two Turntables and a Microphone: Widerständigkeit und Subversivität in der Hip-Hop-Kultur» von T. Bärnthaler hinweisen. Wer sich ernsthaft mit der Hip-Hop-Musik auseinandersetzen möchte, kommt um das Studium der Afroamerikanischen Literatur und Geschichte nicht herum. Der Text von T. Bärnthaler ist dabei eine gute Einstiegshilfe. Sehr scharfsinnig und sachlich recherchierte er über die ganze Entstehung und Hintergründe der Hip-Hop-Kultur. Außerdem enthält sein Text am Ende einen Haufen Links zu diversen Hip-Hop-Websites, die allesamt sehenswert sind. Die Adresse der Site lautet: http://www.lrz-muenchen.de/~uf121as/www/jive.html