Mein Stil

Igor K - Meine «Karriere» als Musiker

Diese Sektion ist für alle Musikproduzenten-Kollegen, Werdende, Anwärter, Anfänger, Laien und Interessierte.

Ein Musikfreak war ich schon mein ganzes Leben. Mit 11, also 1991, fing ich an, stundenlang in Musikfachläden rumzuhängen und alles mögliche rumzuprobieren. (Im Nachhinein muss ich mich an dieser Stelle bei all die armen Mitarbeiter bedanken, die mich die ganze Zeit ertragen und niemals vor die Tür gesetzt haben.) Beim Rumspielen mit all den chicken, sündhaft teuren Keyboards (Synthesizer konnte man das nicht nennen) stellte ich fest, dass die zwar alle schön sauber und zum Teil auch düster klingen, aber nicht wirklich abgehen. Dann, eines Tages, entdeckte ich, schön versteckt in einer Ecke, den legendären Roland Jupiter 8, das analoge Flagschiff aus Anfang der 80er Jahre. Damals wusste ich natürlich nicht, mit wem ich es zu tun hatte, aber eines stellte ich fest: sie hatte das Design der später 70er, frühen 80er Jahre. Eckiger, gradliniger, sperriger Korpus, einfache Segment-Anzeige und Hunderte von Knöpfen, Reglern, Schaltern und Schiebern. Diese Maschine hat mich wirklich gefesselt. Stundenlang stand ich vor ihr und drehte an all den unzähligen Knöpfen, Schaltern, Reglern und Schiebern. Jeden Tag kam ich nur wegen dieser Maschine in den Laden und verbrachte etliche Stunden beim Rumspielen und Rumdrehen. Ich war gefesselt und wollte diese Maschine um jeden Preis haben. Auf dem Preisschild stand drauf, dieser Synthesizer ist zur Ausstellungszwecken aufgestellt und unverkäuflich. Es war die Zeit der aufkeimenden Techno-Welle, alle wollten plötzlich alte analoge Synthesizer haben, während die Musikindustrie die Zeichen der Zeit schlicht und einfach übersah und weiterhin neue, chicke, teure Digital-Keyboards auf den Markt warf, die (abgesehen von Schlager-Produzenten) kein Schwanz haben wollte. Ich war wirklich angepisst. Diese Maschine war für mich unerreichbar. Selbst wenn sie zu verkaufen gewesen wäre, hätte ich sie mir niemals leisten können. Shit hapens.

Mit dem Produzieren fing ich 1996, also mit 16 an. Damals lebte ich in einem Jungnd-Wohnheim, bekam wöchentlich 40 DM Taschengeld, und hatte verständlicher Weise keine Möglichkeiten, g'scheites Equipment zusammenzukaufen. Eigentlich kann dass kein normalverdienender Hobby-Musiker, denn brauchbare Musikgeräte kosten zum Teil mehrere Brutto-Gehälter. Ich war froh um jedes Ding, das irgendwelche Töne von sich geben konnte. Ich fing an mit einem alten 386er-PC, der bei uns im Heim rumstand und eine Soundblaster 16 eingebaut hatte - ein sehr, sehr billiger Tonerzeuger mit 'ner 2-Operatoren-FM-Synthese, bei dem die Störgeräusche und das Rauschen lauter war als die Sounds. (Die billigen FM-Sounds haben natürlich auch einen eigenständigen Charakter und eignen sich für abgedrehtere Produktionen härterer Gangart, Gabba zum Beispiel.) Immerhin hatte ich jetzt die Möglichkeit, eigene Melodien zu programmieren und mit der Harmonielehre rum zu experimentieren. Bald konnte ich Noten lesen und Akkorde, Melodien und Sequenzen einspielen. Außerdem lernte ich das Arrangieren, eine eigene Welt mit eigenen Regeln und Gesetzen. Allmählich lernte ich die MIDI-Spezifikation kennen und entschlüsselte nach und nach all die Hintergründe, die sich hinter dem Begriff MIDI verbergen. Einer unserer Erzieher war ein Profi-Schlagzeuger und brachte mir sämtliche Grundlagen und etliche Spieltechniken bei. Nun war ich in der Lage, brauchbare Drumloops selber zu programmieren.

Eines Tages (ich war bereits 17) ging ich nach der Schule in eine Musikfachgeschäft und entdeckte ein kleines General-MIDI-Soundmodul. Voller Freude inspizierte ich in der U-Bahn beim Nachhausefahren das kleine Ding.

Dies war mein erstes, semiprofessionelles Musik-Equipment. Mit ihm Produzierte ich in den folgenden Jahren über 60 Tracks. Ich besaß keinen Sampler und war daher gezwungen, meine Tracks Note für Note selber einzuprogrammieren. Im Nachhinein bin ich sehr dankbar für diese Schicksalsfügung, denn ich kenne sehr viele Produzenten, die ausschließlich Samples zusammenreihen können. Samples zusammenreihen kann ich auch (und beim HipHop geht es fast um nichts anderes), aber eben nicht nur.

Mein entgültiges, produktionsfähiges Heimstudio hatte ich erst 1999. Damals jobbte ich in einem 5-Sterne-Hotel und wurde dadurch eines Tages der glückliche Besitzer eines Mikrofons und eines 12-Kanal-Mischpultes. Mein erster Lohn ging restlos für zwei legendäre Synthesizer drauf: Roland D-50 und Roland Alpha Juno 2. Für diese zwei Maschinen bin ich fast an Hunger gestorben. Ein Teil von meinem zweiten Lohn landete bei einem langhaarigen Hippie mit Jesuslatschen, der aus Augsburg angereist kam und einen Yamaha TX7 in seiner Stofftasche dabei hatte. Die Übergabe fand am Münchner Hauptbahnhof statt, damals befand sich dort noch die Junkie-Szene mit über 50 Leuten, und vielleicht war dies der Grund, dass die Bullen zu beschäftigt waren und für uns beide keine Zeit hatten...

Zu der Zeit habe ich meinen Job verloren und musste meinen PC verkaufen, um die Miete bezahlen zu können. Als Ersatz legte ich mir einen Atari ST zu, die damals für 50 DM zu haben waren. Paar Wochen später bekam ich von einem Musiker-Kollegen ein Paket mit über 20 Disketten, vollgepackt mit Steinberg Cubase für Atari ST, Steinberg Avalon, etlichen Synthesizer-Editoren und Tausenden von Sounds für meine Maschinen. Ein Traum ging in Erfüllung...

2001 war es dann so weit. Ich machte gerade ne Ausbildung zum IT-Systemelektroniker und hatte in meiner Berufsschule einige Connections. Ich bekam einen modernen PC mit Soundblaster Live, einer hochwertigen, rauscharmen Soundkarte, mit der ich endlich samplen und Harddisk-Recording betreiben konnte.

Meine letzten Investitionen waren ein externer, vollkommen rauschfreier und hochwertiger AD-Wandler (Behringer FCA202) und ein hochwertiges Kondensator-Mikrofon (MXL V67). Das war's. Mehr brauch ich nicht. Ich hätte natürlich noch gerne meine alte Liebe, meine absolute Traummaschine Roland Jupiter, mit der ich so viele schöne Stunden verbracht habe, und vielleicht noch eine Bandmaschine von Revox zum Post-Mastering, aber es geht eigentlich auch ohne.

Und so schauen die Bestandteile meines «Studios» letztendlich aus:
(Fotos © 2007 by Igor K)

Auf das viele, viele kreative Arbeiten mit diesen wunderbaren Maschinen. Auf viele, viele neue heiße Tracks. MUSIC NONSTOP!

Euer Igor K
München-Giesing, 12. Juni 2007

P.S: selbstverständlich bin ich gerne bereit, mit den Produzenten-Kollegen Tipps&Tricks auszutauschen und enthusiastischen Einsteigern + Anwärtern Hilfestellungen zu geben. Die Basis-Arbeit müsst Ihr allerdings selber vollbringen. Ich kann nur Leuten helfen, die eine Grundkenntnis bereits haben und wirklich vom ganzen Herzen bereit sind, viele Stunden für das Lernen, Produzieren und Tüfteln zu opfern. Halbherzige «Produzenten» und kleine HipHop-Kiddys, die soeben das Mikrofon entdeckt haben und das Musizieren als eine kleine nebensächliche Freizeitbeschäftigung ansehen, jedoch in kürzester Zeit «ganz groß» rauskommen wollen, sollten sich a) mit HipHop-eJay oder FruttyLoops begnügen (nix gegen FruttyLoops, ich nutze dieses Programm selber gerne, um heiße Drumloops zu programmieren), oder b) einen Produzenten bzw. einen Beatmaker suchen. Ich stehe für diese Zwecke leider nicht zur Verfügung, erstens wegen der fehlenden Zeit, und zweitens aufgrund meiner Haltung. Ich habe weder Interesse an irgendwelchen Internet-Collabos, noch an irgendwelchen Features, noch will ich als Beat-Liferant für irgendwelche Mein-Schwanz-MCs missbraucht werden. Wenn Ihr den Fame haben wollt, dann baut Euch bitte Euren eigenen Fame auf, anstatt Euch mit fremden Federn zu schmücken. Ich arbeite ausschließlich alleine, und zwar mit einer felsenfesten inneren Überzeugung. Ich will den Sound machen und die Texte schreiben, die ich will, und mich nicht nach irgendwelchen Leuten richten und mich durch sie einschränken lassen. Ich brauche meine 100%ige künstlerische Freiheit. Es klingt vielleicht etwas egoistisch und arrogant, aber diese Haltung könnt Ihr bei jedem Musiker wiederfinden, der es halbwegs ernst meint (z.B. beim Wolfgang Ambros oder beim Kokain Wecker). Ich könnte mir durchaus vorstellen, mit jemanden mal einen gemeinsamen Track rauszubringen, aber dieser Jemand muss im Untergrund bereits etabliert sein bzw. einen eigenständigen Charakter haben, damit ich nicht das Gefühl bekomme, für den Fame-Aufbau benutzt zu werden.